Die unendliche Geschichte… oder auch: Nicht immer kann der Angler gewinnen…
Dieses ist eine Geschichte die mein Anglerleben schrieb, aber wo wie es mir erging, kann es auch jedem anderem passieren. Doch lest selber…
Norwegen, Höhe Lofoten, 30km vom Saltstraumen entfernt, Insel Arnoy, Angelcamp Arnoy Brygge:
Es ist der 7. Juni 2010. Ich sitze zusammen mit Klaus und Hanjo im Boot, heute ist der erste (und einzige) Tag mit einer passenden Drift zum Heilbuttfischen.
Das Wasser wird gegen 22 Uhr seinen höchsten Wasserstand erreichen. Klaus fischt mit einem Royber Jig und Hanjo mit einem Giant Jighead mit 24er Gummi. Ich fische auch erst einen Jig Head mit Gummi, bekomme dann aber ein paar Fischsignale auf dem Echolot. Schnell geht ein leichter Pilker über Bord und ich kann einen gut 35cm langen Köhler fangen.
Ich montiere den Köhler auf einen Giant Baithead in der Farbe Princess Glamour in 400g. Ich habe einen 5/0er Owner ST66 mit 2 17er Edelstahl Sprengringen als Bauchdrilling montiert, den hinteren Drilling, ebenfalls ein 5/0er ST66 habe ich mit 2 Wirbeln ohne Karabiner und 17er Edelstahl Sprengringen verlängert, um Fehlbissen aufgrund der Ködergröße vorzubeugen. Angeln tue ich mit einem 1,20mm starken monofil Vorfach, das mit einem Berkley McMahon Wirbel und einem Edelstahl Sprengring mit dem Köder verbunden ist. Ich nutze bei dieser Angelei keine Wirbel mit Karabiner.
Gegen 19.45 Uhr tritt der Baithead seine Reise Richtung Grund an. Wir haben eine Wassertiefe von ca. 35m. Ich Fische gut 5m über Grund, und hebe und senke meine Rute immer wieder ganz langsam, um dem toten Köhler am Baithead etwas “Leben” einzuhauchen…
Kurz nach 20 Uhr passiert es: Beim Absenken der Rute erschlafft die Schnur. Ich warte einen kurzen Moment und schlage an.
Die Rute ist krumm und es passiert nichts.
Ich habe schon viele Fische in meinem Leben gefangen, große Dorsche und auch schon ein paar Heilbutts – hätte man mich in dieser Situation gefragt Fisch oder Hänger,so hätte ich mein Leben auf einen Hänger verwettet! Wenn ich nicht gewußt hätte das mein Köder 5m über Grund war…
Es dauert sicherlich 7- 8 Sekunden, die einem wie Stunden vorkommen bis sich mein Gegenüber mit einem kurzen, sehr harten Kopfschütteln bemerkbar macht.
Meine nächsten Worte sind an meine Mitangler gerichtet und klar und deutlich: Ruten raus! Butt!
Hanjo seine Rute ist schnell draussen, doch Klaus seine Rute kreuzt bereits meine Schnur, da er direkt neben mir sitzt und mein gehakter Fisch sich langsam auf die Reise macht … Doch wir bekommen Klaus seinen Royber Jig aus meiner Schnur gehoben, und ich kann mich wieder auf den Fisch konzentrieren. Der Fisch nimmt in einer Flucht 30m Schnur, ich bitte Hanjo den Motor des Bootes zu starten, da wir von Untiefen umgeben sind, und ich den Fisch nicht verlieren will weil er über eine solche Kante schwimmt…
Hanjo leistet perfekte Arbeit und kurz danach stehen wir direkt über den Fisch. Wassertiefe 37m, ich habe 38m Schnur draussen. Der Fisch liegt wie festgenagelt am Grund. Erst nachdem ich die Bremse meiner Tyrnos 12 zum zweiten Mal weiter zudrehe und noch mehr Druck mache, löst sich der Fisch vom Grund – ganz langsam…
Ich bekomme den Fisch laut meines Tiefenmessers auf 28m – doch dann ist Ende. Da bleibt er auch. Ich gewinne 2m Schnur und verliere kurz darauf 3m … Dieses Spiel zieht sich sehr lange hin, wir driften dabei immer weiter aufs offene Wasser…
Nach 30 Minuten Drillzeit haben wir bereits über 160m Wassertiefe, doch der gehakte Fisch pendelt fast die ganze Zeit zwischen 22 und 35m. Es macht den Anschein als würde er sich garnicht anstrengen, und ich bekomme mehr und mehr den Eindruck das ich alleine gegen die Masse vom Fisch arbeite, nicht aber gegen seine Kraft…
Zwischendurch übergebe ich meine Rute kurz an Hanjo, um meine Jacke auszuziehen, denn ich schwitze inzwischen unter der Anstrengung des Drills…
Wir driften immer weiter übers tiefere Wasser, Hanjo hat bereits die Harpune klar gemacht, und filmt abwechselnt mit Klaus etwas vom Drill. Leider kann ich den beiden nicht helfen, so sind die Aufnahmen etwas verwackelt, da in der Startphase etwas rangezoomt wurde, und ich den Fehler per Ferndiagnose nicht beheben kann…
Gut 1,5 Stunden nach dem Drill kann ich den Fisch Richtung Oberfläche lotsen. 15m – 12m – 9m – 14m
– 11m – 8m – 6m -
Ich sehe Die Umrisse eines braunes etwas… vorsichtig bugsiere ich den Fisch weiter bin unter die Oberfläche. Der Gesamte vordere Teil des Fisches ist von Parasiten besetzt, die mit ihrem hinteren Teil in der Strömung spielen, es hat etwas sehr mystisches als die Sonne durchbricht und die Fläche des Fisches schimmern läßt…
Er öffnet sein Maul, und ich sehe meinen Baithead verloren im Maul hängen. Der verlängerte obere Drilling sitzt gut im auf Höhe der Kiemen im unteren Teil des Maules. Das Verhältnis Köder zum Fischmaul werde ich erst später wirklich realisieren…
Der Fisch liegt flach unter der Oberfläche mit dem Kopf direkt am Boot, Hanjo setzt die Harpune hinter dem Kopf, diese bleibt leider im Fisch stecken und geht nicht durch. Doch den Fisch beeindruckt das nicht wirklich, er zuckt nicht einmal…
Hanjo setzt das stabile Handgaff im Unterkiefer an (mit diesem Gaff konnte ich im Jahr zuvor alleine einen 40Kg+ Butt landen) und fasst mit der anderen Hand hinter die Kiemen, ich gebe meine Rute an Klaus weiter nachdem ich die Bremse etwas gelockert habe, und greife den Fisch auf der anderen Seite in die Kiemen und setze zusätzlich ein typisch norwegisches Schlaggaff an.
Bis jetzt liegt der Fisch noch recht ruhig an der Oberfläche, doch das ändert sich schlagartig als Hanjo und ich versuchen den fisch aus dem Wasser zu ziehen – aus dem Wasser zu ziehen wäre auch übertrieben, wir bekommen den Kopf des Fisches vielleicht 40- 50cm aus dem Wasser – dann geht alles sehr schnell, der Fisch fängt an mit dem Kopf zu schlagen und dreht sich um seine Achse, es ist uns trotz größter Kraftanstrengung nicht annähernd möglich den Fisch zu halten, wir versuchen den Fisch mit den beiden gaffs zumindest etwas zu halten, doch Fehlanzeige -
Ich halte mein Gaff auf einmal in der Hand, und der Haken der normal nach oben zeigt, zeigt jetzt nach unten. Auch Hanjo kämpft und versucht zu halten was zu halten ist, doch auch dieses Gaff gibt nach und biegt auf…
Zu allem Überfluß verfängt sich das Stahlseil der Harpune irgendwie während dieser Aktion an einem Gaff, und der Fisch zerfetzt es mit einem Schlag seines Kopfes.
Reflexmäßig drehe ich mich um und greife zur Rute, die Klaus in aller Aufregung an die Bordwand gelehnt hat, gerade rechtzeitig, denn der Butt tritt gerade seine unaufhaltsame Reise Richtung Meeresboden an… Leider mit Harpunenspitze und gerissenen Seil, also ohne Fender…
Der Fisch geht über die voll geschlossene Bremse über 100m gerade runter, und stoppt dort aus Gründen die wir wohl nicht erfahren werden. Eh ich mich versehe sitze ich wieder im Boot und habe die krumme Rute in der Hand und bin wieder am pumpen…
Meine Arme und meine Hände schmerzen durch die Daueranstrengung etwas… Meine 50lbs Abu Suverän Pro Boat Rute ist wieder bis zum Handteil krumm…
Hanjo bereitet in der Zeit “Plan B” vor. Er schraubt meinen Edelstahl Gaffhaken in meinen Aluminium Harpunen/ Gaffstab. Wir hoffen den Fisch so ins Boot zu bekommen. Nach gut 20 Minuten habe ich den Fisch wieder unter der Oberfläche, und beschließe mir den Fisch genauer anzusehen, aus Angst ihn doch noch zu verlieren…
Erst jetzt werden mir die Ausmaße des Fisches klar. Ich schätze die Länge des Fisches auf mindestens 1,90m- 2,00m, seine Breite, oder besser Spannweite ist wirklich beeindruckend. Die Augen die mich anstarren sind riesig, und durch das aufgerissene Maul mit dem kleinen Baithead würde meiner Meinung nach ohne weiteres ein Fußball passen…
Wir sind alle drei von dieser mächtigen Erscheinung gefesselt, und der Zeitpunkt ist gekommen an dem wir uns nicht sicher sind ob wir aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen werden…
Hanjo plaziert den Gaffhaken im Unterkiefer, ich drücke Klaus wieder die Rute in die Hand und versuche mit Hanjo zusammen den Fisch der am 1,80m langen Alustab das toben anfängt zu halten. Wir gehen beide fast auf die Knie und versuchen den fisch mit aller Kraft zu halten – 20 Sekunden später hat der Fisch den Gaffhaken mit dem passendem Gewinde und Verschraubung aus der Alustange heraus gerissen und stürmt wieder in die Tiefe…
Schnell übernehme ich die Rute, doch der Fisch hat es diesmal nicht so eilig und stoppt bereits nach gut 30 Metern…
Ich fange abermals an den Fisch nach oben zu pumpen, während Hanjo “Plan C” vorbereitet. Da wir weder ein intaktes Gaff noch eine Harpune haben, bleibt nur mein kleines Flying Gaff. Hanjo knotet auf meinen Wunsch einen zweiten Fender an das Ende der Schnur vom Flying Gaff, und der Plan ist es den Fisch mit dem Flying Gaff und den Fendern etwas zu ermüden, um dann ein Stück starke Leine durchs Maul und die Kiemen des Fisches zu ziehen und diesen irgendwie am Boot zu fixieren. Eine Schwanzschlinge zu legen wäre bei der Drift und der Länge des Fisches nicht wirklich möglich gewesen, aber wenns jemand besser kann, kann ers mir nächstes Mal gerne zeigen… ![]()
Gesagt – getan, ich bekomme den Fisch schnell wieder hoch und Hanjo kann in aller Ruhe das Flying Gaff ansetzen. Was dann passiert ist fast unglaublich – der Fisch rast bei geschlossener Bremse so schnell in die Tiefe, das meine Rolle merklich wärmer wird. Die beiden großen Fender stören ihn dabei nicht wirklich. Er rast in einer unglaublichen Geschwindigkeit über 80m in die Tiefe -
Wir sehen uns nur fragend an, und keiner weiß ob sich unser Plan mit dem Seil durch die Kiemen realisieren läßt. Beunruhigen tut mich auch das der untere Drilling des Baitheads beim letzten Auftauchen des Fisches über das Vorfach geschlagen war, und auf diesem während des Drills scheuerte…
Ich kann den Fisch wieder nach oben bringen, die Fender helfen mir dabei natürlich, wie aus dem nichts tauchen sie nach einer weiteren kleinen Ewigkeit ca. 30m vom Boot entfenrt wieder auf, um kurz darauf wieder auf Tauchstation zu gehen.
der Fisch tobt nun merklich, die Schläge reißen mir fast die Rute aus der Hand so stark und hart werden sie von der geflochtenen 0,30er Spiderwire Invisi Braid übertragen. Wieder durchbrechen die Fender die Wasseroberfläche und der Fisch ist gut 5m unter der Oberfläche zu sehen wir er wie verrückt am toben ist …
ZACK!
Die Fender liegen auf der Oberfläche, meine Schnur ist schlaff.
Ich kurbel meine Schnur ein, das 1,20mm starke Vorfach ist durch.
Danach sammeln wir die Fender ein, das Flying Gaff hängt noch dran, und außerdem hängt in der Schnur mein Baithead.
Wir schweigen uns nur an im Boot. Der Fisch ist verloren.
Bei genauer Betrachtung des Baitheads stelle ich fest dass der hintere Drilling fehlt, der 17mm Edelstahl Sprengring ist aufgezogen worden, die Öse des Baitheads zeigt statt nach hinten in einem 90° Winkel nach oben.
Der Butt muss die Auftriebskraft der Fender gegen den verbindenden Sprengring unbewußt genutzt haben um diesen aufzuziehen. Die verbogene Baithead Öse zeugt von der enormen Kraft die hier gewirkt haben muß.
Wäre dieses nicht passiert, wäre der Fisch durch das zerstörte Vorfach verloren gegangen.
Hier ein paar Bilder:

Das Stahlseil das die ersten 2 Meter von der Haprunenspitze wegführte... Bis es unter der Last des schlagenden Fisches durchriß...

Der Rest meiner Harpunenstange, das fest eingeklebte und verschraubte Gewinde für den Gaffhaken und die Harpunenspitze wurde einfach rausgerissen...
Hier findet Ihr noch einen kurzen Einblick in die Drillszenen, wie gesagt, bitte entschuldigt unsere Kameraführung. Am Ende des Videos hört man ganz gut wie der Fisch nach dem ersten erfolglosen Landeversuch wieder in die Tiefe stürmt…
Entschuldigung für meine Tonlage in dieser Situation ![]()
Danke an dieser Stelle an Hanjo und Klaus die diese harte Zeit zusammen mit mir durchgestanden haben.
Sehr ärgerlich ist für mich dass der Fisch mit der Harpunenspitze abgegangen ist, wahrscheinlich ist er schon daran verendet. So hat er seine Freiheit leider nicht wiederbekommen.
Nachdem ich mit Volker Dapoz über das Geschehen gesprochen habe, und eigentlich auch nicht sagen kann das wir irgendetwas falsch gemacht haben, kann ich nur jeden empfehlen, versucht niemals so einen Fisch ins Boot zu ziehen.
Versucht ihn lieber aussen am Boot zu fixieren, entweder mit der Schnur durch die Kiemen, oder auch bei passender Gelegenheit mit einer Schwanzschlinge.
Aber es kommt eh immer anderst wie man denkt…
Ich würde mich über ein paar Kommentare freuen





22. Juni 2010 um 09:01 Uhr
Man kann nicht immer gewinnen aber ich, und wahrscheinlich jeder der dich kennt, hätte dir diesen Fisch von Herzen gegönnt.
Beim nächsten mal wird alles besser ? Ja denn dann fahre ich mit
Hau rein
22. Juni 2010 um 09:40 Uhr
ICH HÄTTE IHN DIR GEGÖNNT…, FÜR UNS ALLE!!!
Von dieser Erinnerung wirst du dein ganzes Leben zehren, Kopf hoch!
22. Juni 2010 um 11:43 Uhr
Danke sehr für Deine Anteilnahme Schosch!
22. Juni 2010 um 11:43 Uhr
Auf jeden Fall Stefan, ich bleib weiter am Ball!!!!
23. Juni 2010 um 16:00 Uhr
Hallo Sascha!
Ich kann sehr gut nachvollziehen was sich bei dir im Kopf abgespielt haben muß als du am pumpen warst und noch nicht genau wußtest was dich an der Oberfläche erwartet. Oh man das war ein echtes Monster, schade das die Landeaktion nicht hingehauen hat. Wäre dir und einen Jungs gegönnt gewesen. Aber so ein großer Heilbutt verfügt, wie du / ihr ja festgestellt habt, da eure Gaffs aufgebogen sind, über ganz schöne Power mit hohem Körpergewicht. Ich war echt froh als ich meinen Großbutt im Boot liegen hatte. Das war ein echt hartes stück Arbeit! Nur den Kopf nicht hängen lassen, der nächste kommt bestimmt. Ist nur ne Frage der Zeit – Ob`s noch mal so ne Granate wird steht halt in den Sternen. Auf jeden Fall ein tolles Erlebnis für euch – schönes Video! Gruß an deine Kollegen!
Thorsten
27. Juni 2010 um 13:23 Uhr
Ach du scheiße, mensch Sascha, das war ja absolutes Pech, ich dachte er ist dir im Drill verloren gegangen, aber ihr hattet ihn ja schon an der Oberfläche!
Aber Kopf hoch, lieber den Fisch einmal gesehen haben, als Jahrzehnte über seine Größe zu rätseln!
Grüße
Martin
P.s.: Beim nächsten Mal bekommt ihr ihn garantiert auch über die Reeling!
1. Juli 2010 um 20:40 Uhr
Hallo mein Kleiner,
geschrieben wirkt das Alles noch schlimmer, wie live gehört!!! Aber wir Beide wissen ja wer wirklich Schuld an dem ganzen Unglück ist!?!
Aber Einer muss ja Schuld sein, oder???
Ich denke, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich DIR/uns diese Tischplatte gegönnt hätte!?!
Aber es ist nicht aller Tage Abend, wir fahren wieder keine Frage!!!
Also bis dahin
Günni
17. Februar 2011 um 14:09 Uhr
Schaden, dass das Landen nicht geklappt hat, aber wenn ich die Rute sehe, war sicher nur der Drill ein riesen Erlebniss. Ich will dieses Jahr das erste mal nach Norwegen und würde mich schon freuen, mal einen 10 – 15 kg Köhler oder Dorsch zu drillen. Mal schauen ob es klappt. Wünsche Dir den nächsten sauber zu landen und würde mich über Fotos oder Video freuen. Petri Heil dafür!
17. Februar 2011 um 23:09 Uhr
Danke Wolfgang, das wünsche ich Dir natürlich auch !
20. November 2011 um 01:42 Uhr
Was für eine krasse Geschichte! Wie soll man Butts dieser Dimension sicher landen? Schade um den schönen Fisch. Er muss die Spitze der Nahrungskette bilden. Petri